3.7. Wie kann ich ein zweites Linux installieren und wahlweise booten?
3.7.1
Zuerst einmal benötigt man natürlich mindestens eine freie
Partition auf der Festplatte. Hat man keinen Platz mehr, so kann man
bei der Installation von SuSE-Linux im Menüpunkt Partitionen
die bestehende Partitionierung ändern, indem man die Größe einer
bestehenden Partition verkleinert und den frei gewordenen Plattenplatz
dann für das zweite Linux verwendet.
Warnung: Vor Veränderung der Partitionsgröße unbedingt ein Backup der
Daten anlegen!
Hat man eine freie Partition geschaffen, startet man das
Installationsprogramm von CD und geht in die erweiterte
Festplattenauswahl. Dort wählt man einfach die freie Partition und
gibt als Mountpoint / an. Natürlich muss diese Partition formatiert
werden. Dies wird mit einem F angezeigt.
Warnung: Achtet darauf, dass die anderen Linuxpartitionen nicht
angerührt werden!
Als Swap-Partition kann man die gleiche nehmen wie bei der ersten
Installation, sofern man nicht mit suspend_to_disk arbeitet.
suspend_to_disk verwendet den Swap-Bereich um ein Abbild des
Hauptspeichers (aka RAM) auf die Festplatte zu schreiben. Dazu muss
die Swap-Partition natürlich mindestens so gross wie das installierte
RAM sein. Wird dieser Bereich dann noch von einem anderen Linux
mitbenutzt, sind dann natürlich alle vom ersten Linux vorher
geschriebenen Informationen weg und das resume funktioniert
nicht mehr. Hat man zwei oder mehr Festplatten, so bietet es sich an,
auf beiden eine ausreichend grosse swap-Partition anzulegen und
jeweils eine davon für suspend/resume zu nutzen
(ungetestet!).
Zusätzlich sollte man im Installationsmenü unter
Bootmanager dafür sorgen, dass für das zweite Linux kein
Bootmanager in den MBR der (ersten) Festplatte installiert wird. Man
kann den Bootmanager aber z.B. in die /- oder
/boot-Partition installieren (und ggfs. vom eigentlichen
Bootmanager im MBR aufrufen).
Danach das zweite Linux installieren und
den Rechner neu booten. Im zuerst installierten Linux startet man
Yast - System - Konfiguration des Bootloaders.
Mit Yast wählt man dann Verfügbare Abschnitte - Bearbeiten.
Nun den ersten Linuxeintrag auswählen, hinzufügen anklicken
und folgende Frage mit Ja beantworten.
Dann trägt man folgendes ein:
Name des Abschnitts: Testlinux oder SuSE2 (wie
man sein zweites Linux auch immer nennen mag)
Typ des Abschnitts: Image
Kernel: Wenn man nur eine Partition für sein zweites Linux hat,
dann muss dort hinein:
(hd0,0)/boot/vmlinuz root=/dev/hda1
wobei hd0,0 einem /dev/hda1 entspricht. Der
Eintrag bedeutet, vmlinuz liegt in der gleichen Partition wie
/ nur eben im Verzeichnis /boot. Das Rootverzeichnis
liegt in /dev/hda1. Das muss man unbedingt an seine
Gegebenheiten anpassen.
Wenn man die Bootpartition als eigene Partition angelegt hat, dann
steht dort:
(hd0,4)/vmlinuz root=/dev/hda8
Das bedeutet also: /boot liegt auf /dev/hda5 und
/ liegt auf /dev/hda8. Auch hier muss man wissen auf
welcher Partition /boot und / liegen und den Eintrag
entsprechend anpassen.
Ebenso beim Abschnitt initrd:
Eine Partition:
(hd0,0)/boot/initrd
Eigene /boot
(hd0,4)/initrd
Einträge auch hier an eigene Einstellungen anpassen. Damit sollte
das Booten funktionieren.
Der schnellere Weg, dem Bootmanager die nötigen Informationen
mitzugeben, ist ohne Frage, die Datei /boot/grub/menu.lst per
Hand mit dem Lieblingseditor zu verändern.
Diese Datei ist mit den oben gegeben Informationen eigentlich
selbsterklärend.
# Modified by YaST2. Last modification on Thu Jul 8 20:15:22 2004
color white/blue black/light-gray
default 0
timeout 8
gfxmenu (hd0,4)/message
###Don't change this comment - YaST2 identifier: Original name: linux###
title Linux
kernel (hd0,4)/vmlinuz root=/dev/hda6 vga=0x317 splash=verbose \
desktop hdc=ide-scsi hdclun=0 showopts
initrd (hd0,4)/initrd
###Don't change this comment - YaST2 identifier: Original name: windows###
title Windows
root (hd0,1)
chainloader +1
###Don't change this comment - YaST2 identifier: Original name: Testlinux###
title Testlinux
kernel (hd0,0)/boot/vmlinuz root=/dev/hda1 vga=0x31a splash=verbose \
desktop hdc=ide-scsi hdclun=0 showopts
initrd (hd0,0)/boot/initrd
###Don't change this comment - YaST2 identifier: Original name: floppy###
title Diskette
root (fd0)
chainloader +1
###Don't change this comment - YaST2 identifier: Original name: failsafe###
title Failsafe
kernel (hd0,4)/vmlinuz root=/dev/hda6 showopts ide=nodma apm=off \
acpi=off vga=normal nosmp noapic maxcpus=0 3
initrd (hd0,4)/initrd
Hat man das zweite Linux einen Bootloader in seine eigene
/-Partition installieren lassen, dann kann man die
entsprechende Partition mounten und die Konfiguration einfach
abschauen und (mit einem anderem Namen) in die Config des ersten Linux
eintragen.
(schott, dhaller)
3.7.2
Gemeinsames /home für alle Linuxe?
Wenn man mehrere Linux-Versionen installiert hat, stellt sich
natürlich die Frage, ob man sein Homeverzeichnis (oder die
/home-Partition) auch einfach mit der anderen Distribution verwenden
kann. Grundsätzlich ist das möglich, es gibt aber ein paar
Stolpersteine.
Warnung: Falls abweichende Versionen von z. B. KDE installiert sind,
führt das evtl. zu "komischen Effekten" mit den Konfigurationsdateien.
Ein Wechsel zu einer höheren Version funktioniert zwar üblicherweise,
aber das "Downgrade" nach dem Reboot in eine andere Distribution macht
vermutlich Probleme (ungetestet!).
Deshalb ist es empfehlenswert, für jede Distribution ein eigenes
/home/-Verzeichnis zu verwenden (ob eigene Partition oder /home auf der
/-Partition ist egal).
Die Nutzdaten (Dokumente, Bilder usw.) sollten dann in einer
/data-Partition (die jetzige /home?) abgelegt und die gewünschten
Verzeichnisse per Symlink in alle /home eingebunden werden.
Prinzipiell kann man auch einige Konfigurationsdateien und
-verzeichnisse per Symlink einbinden, sollte dabei aber auf jeden Fall
vorher überlegen, ob es Versionskonflikte geben kann.
Ein weiterer Stolperstein ist die User-ID. Falls man also von der neu
installierten Distribution aus keinen Schreibzugriff auf sein
Homeverzeichnis hat, sollte man die User-ID überprüfen und ggf.
anpassen.
(cboltz)
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